Archive für September 2007

Sprachhygiene

“Man muss immer die Wahrheit sagen, aber man muss die Wahrheit nicht immer sagen” (Autor unbekannt)
Worin liegt das Geheimnis effektiver Sprache? Wie kann die Chance von funktionierender Kommunikation erhöht werden? Die Lösung liegt nach Ansicht vieler Profis auf dem Gebiet der Kommunikation in der Wahl positiver und aktiver Sprache. Sprachqualität erhöht Beziehungsqualität. Es kommt darauf an, was man sagt. Und es kommt darauf an, wie man es sagt. Die Wahl der richtigen Worte ist wichtig und reduziert die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen und ungünstigen Interpretationen Ihrer Worte. Wie kann solche Wortwahl aussehen?

Angriffsfrei
Um Kommunikation reibungsarm zu gestalten, ist es wichtig, angriffsfrei kommunizieren zu können. Konflikte ansprechen und Kritik äussern sind zum Beispiel Kommunikationssituationen, welche zwischen Menschen oft zu Problemen führen und aus diesem Grund meist vermieden werden. Einige Grundregeln machen es jedoch einfacher. Die wichtigste Regel dabei ist es wohl, von sich selbst zu reden. Konflikte sind selten einseitig, Sachverhalte selten eindeutig. Nur selten ist die Lage so klar wie die eines Verkehrspolizisten, der nachweisen kann: “Sie sind zu schnell gefahren.” In zwischenmenschlichen Situationen ist es meist besser, von dem eigenen Erleben zu sprechen:

“Ich bin enttäuscht, weil ich gerne ins Theater wollte und das nicht geklappt hat.” ist für die meisten Menschen leichter anzunehmen als “Immer kommst Du zu spät aus der Kneipe, nie nimmst Du auf meine Bedürfnisse Rücksicht, meine Mutter hat mich immer schon vor Dir gewarnt!”. Meist ist das einzige, was Sie wirklich wissen, wie Sie sich fühlen. Dies ist wahr, unbestreitbar und von Ihnen beurteilbar. Alles, was darüber hinausgeht, ist es meistens nicht. Die “Du”-Botschaft (”Du hast/bist…”) zu ersetzen durch eine “Ich”-Botschaft (”Ich fühle mich…”) nimmt den meisten Konflikten die Schärfe und hilft bei der Lösung.

Wichtig ist: Es geht nicht um Weichspülen und Kuschelkonflikte. Es geht darum, zwischen dem was ist (meinem Gefühl) und dem was ich interpretiere (ein “Fehl”verhalten) zu unterscheiden. Und es geht darum, Flexibilität im Verhalten zu besitzen. Den Konflikt vermeiden (ignorieren) oder eskalieren (”Immer kommst Du zu spät aus der Kneipe…” etc.) können wir ja immer noch, wenn es denn dann noch nötig ist. Zur Lösung tragen beide Wege nur selten bei. Die Holzhammermethode mag gelegentlich nötig sein - vermutlich verwenden die meisten Menschen sie viel zu oft.

Konkret und redundanzfrei.
“Sag ich mal”, “irgendwie” sind prominente Beispiele für Wortmüll. Also, irgendwie find ich solche Worte überflüssig, sag ich mal. Irgendwo sind Redner, welche ohne solche Anhängsel auskommen irgendwie besser. Find ich. Irgendwie. Solche redundanten Worte verschlechtern das Verhältnis zwischen Signal und Rauschen. Eigentlich sind ja solche Worte vielleicht überflüssig. Prinzipiell benötigten wir sie ja nicht.

Unsinn. “Eigentlich” ist nicht nur eigentlich, sondern auch uneigentlich überflüssig. Wenn Sie Worte wie “vielleicht”, “prinzipiell”, “eigentlich” verwenden - wie hört sich der Satz ohne diese Worte an? Meistens:

Stärker. Kürzer. Prägnanter.

Ähnliches gilt für Konjunktive und die Wörter “man” und “mal”. “Eigentlich müsste man mal Sport treiben.” - haben Sie schon einmal erlebt, dass nach einen solchen Satz wirklich Sport getrieben wurde? Vermutlich nicht. Solche Sätze führen selten zu Aktionen. Es bleibt unklar, ob jemand Sport treiben wird. Es bleibt offen, wer Sport treiben wird. Es bleibt offen, wann Sport betrieben wird. Es wird also kein Sport getrieben.

Wahr.
Sätze mit absoluten Aussagen sind gefährlich. Meinen Sie das, was Sie sagen, wirklich? Die Wörter “Immer”, “Alle”, “Nie”, “Niemand” sind meist gefährlich und oft falsch. “Alle Menschen lieben (Eis/Fußball/Kinder/Harald Schmidt/die Biene Maja)” - solche Sätze sind angreifbar und regen zum Widerspruch an.

Aktiv und selbstgesteuert.
Verben zeigen Aktivität.
Ziehen Sie in Erwägung? Stellen Sie unter Beweis? Nehmen Sie in Angriff? Oder erwägen Sie? Beweisen Sie? Beginnen Sie? Hauptwörter vermindern oft die Schlagkraft von Sprache. Verben erhöhen sie.

Indikative zeigen Aktivität.
Vergleichen Sie “Ich würde annehmen…” mit “Ich nehme an…”. Konjunktive nehmen Ihren Worten Sicherheit und Souveränität.

Versuche sind nicht dasselbe, wie etwas zu tun.
“Ich liefere Ihnen das morgen.” statt “Ich versuche, Ihnen das morgen zu liefern.” Deutliche Aussagen enthalten nicht die Möglichkeit des Scheiterns - Sätze, in denen nur etwas “versucht” wird, schon. Versuchen Sie nicht, tun Sie!

Selbstgesteuert statt Fremdbestimmt.
Müssen Sie zur Arbeit? Müssen Sie noch vor dem Feierabend etwas fertig machen? Warum? Hier drückt die Sprache ein Gefühl der Hilflosigkeit und Fremdbestimmtheit aus. Souveräne Menschen sprechen meist anders, sie möchten etwas oder werden etwas tun. “Ich muss jetzt noch den Bericht für den Chef fertig machen” - welch ein armer Kerl! Sie hingegen: “Ich werde jetzt noch den Bericht für den Chef fertig machen!”. Menschen müssen nur wenige Dinge wirklich tun. Diese sind durch die Natur vorgegeben, nicht durch den Chef. Auch nicht durch Ihren. Und wenn Sie das Gefühl haben, Sie müssen etwas tun? Dann wird die aktive Formulierung Ihnen und Ihrem Umfeld helfen, Sie als Macher und nicht als Opfer wahrzunehmen.

Positiv.
“Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten” - so lautet das Standardbeispiel der Seminarleiter. Natürlich denken wir dann an einen rosa Elefanten. Wir können negierte Aussagen nur sehr schlecht verarbeiten. “Denken Sie nicht ans Scheitern!” ist Unsinn. Natürlich werden wir ans Scheitern denken. Daher ist es wesentlich erfolgversprechender, in positiven Formulierungen zu sprechen. “Denken Sie an den Erfolg.” - das kann funktionieren! Was wollen Sie, dass andere Menschen tun? Und eben NICHT: was wollen Sie, dass andere Menschen NICHT tun.

Reden Sie positiv! Bauen Sie positive Bilder! Sagen Sie, was Sie erreichen und haben wollen!

Besser wissen ohne besserwisserisch zu wirken

Sie wissen etwas? Sie haben einen Ratschlag für mich? Ich könnte etwas besser machen? Das ist klasse. Oft bringt leider nichts sosehr Menschen in Rage und sorgt für schlechte Stimmung wie ein Ratschlag. Der ungefragte Ratschlag hilft nur selten – weder der Sache, noch der Beziehung. Weil Menschen ungefragte Ratschläge meist nicht hören wollen. Nicht weil der Vorschlag schlecht ist. Sondern weil sie den ungefragten Ratschlag als Eingriff in ihre Autonomie empfinden. Die kleine Frage: „Darf ich Dir einen Hinweis geben?“ (oder so ähnlich), macht einen Riesenunterschied. Die allermeisten Menschen reagieren ganz anders auf Vorschläge, wenn man ihnen die Wahl lässt, ob sie einen solchen haben wollen. Sie verlassen den „Beziehungsmodus“ und gehen in den „Lösungsmodus“ – die Wahrscheinlichkeit einer ablehnenden Reaktion gegenüber Vorschlägen sinkt dramatisch.

Kommunikation

“Es ist unwahrscheinlich, dass Kommunikation gelingt” (N. Luhmann)

Das wesentlichste Medium, welches uns zur Kontaktaufnahme mit Menschen zur Verfügung steht, ist die Sprache.

Es gibt Personen, die mit Sprache hervorragend umgehen können, die zu jeder Zeit das richtige Wort finden. Andere sind wahre “Holzhacker”. Worte, ohne Bedacht um sich geworfen. Ungelenke Umgangstöne, welche die Menschen im Umfeld dieser Personen unangenehm berühren. Meist haben diese Holzhacker gar keine schlechten Absichten - aber beim Gegenüber kommt das nicht an. “Ich bin doch nur ehrlich” oder “Das habe ich doch gar nicht so gemeint”, das haben Sie doch sicherlich auch schon gehört - und gesagt? Viele dieser Menschen sind hilflos und verzweifelt, weil ihre Art der Kommunikation subjektiv anders gemeint ist, als sie bei ihren Mitmenschen ankommt. Vielen Menschen fällt es schwer, “unfallfrei” zu kommunizieren - dies wirkt sich negativ auf die Beziehungs- und oft auch Lebensqualität aus.

Friedemann Schulz von Thun hat ein Kommunikationsmodell entwickelt, welches das Lieblingsspielzeug von Trainern zum Thema Kommunikation ist. Es ist in der Tat sehr hilfreich, zu verstehen, wie Kommunikation erfolgreich und erfolglos sein kann. Dem Modell zufolge kann jede Aussage aus vier Betrachtungsrichtungen gemeint und empfangen werden.
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Wikipedia: Vier Seiten einer Nachricht
Menschen verwenden und verstehen Botschaften sehr unterschiedlich, da sie unterschiedliche Seiten dieser vier Seiten bevorzugen und von ihren Gespräspartnern erwarten. Die Aussage “Mir ist kalt” kann vieles bedeuten: “Die Temperatur ist gering” (Sachseite), “Ich fände es schön, wenn es wärmer wäre” (Selbstkundgabe), “Ich finde es hier mit Dir ungemütlich” (Beziehungsaussage) “Holst Du mir eine Decke?”, “Lass uns woanders hingehen” oder “Rückst Du näher an mich heran?” (Appell) sind mögliche und möglicherweise richtige Interpretationen der Aussage “Mir ist kalt”. Welche - wenn überhaupt eine - dieser Interpretationen richtig ist oder sind (natürlich können auch mehrere zugleich gemeint sein) ist nicht immer klar. Kontextinformationen sind für die Wahl der richtigen Interpretation wichtig - zwischen “Mit Dir ist es hier ungemütlich.” und “Rückst Du näher heran?” liegen Welten! Es gibt Menschen, die vornehmlich eine dieser vier Seiten verwenden oder aufnehmen - das kann für Menschen, die anders sind, sehr schwierig sein. Auch sagen viele Menschen Männern nach, vornehmlich auf der Sachseite zu kommunizieren, Frauen eher auf der Beziehungsseite. Was sind Ihre Erfahrungen damit?

Missverständnisse und damit Kommunikationsprobleme resultieren sehr häufig aus unterschiedlichen Kommunikationsweisen. Welches ist die Seite, die Ihnen am Nächsten liegt? Welche ist es bei Ihrem Partner, Ihrer Partnerin, Ihren Mitarbeitern?

Körpersprache

“Vultus loquitur quodcumque tegis”. (Deine Miene spricht aus, was auch immer Du verheimlichst.) (Seneca)

Wir sind vor Allem Augenwesen. Die Informationsmenge, die wir mit den Augen aufnehmen können, ist höher, als die, welche unsere weiteren Sinnesorgane uns insgesamt ermöglichen. Aus diesem Grund ist es wichtig, darüber nachzudenken, welche Kanäle in der Kommunikation besonders wirkungsvoll sind.






SinnesorganBandbreite (gerundet)
Augen10.000.000 Bit/s
Haut1.000.000 Bit/s
Ohren100.000 Bit/s
Geruch100.000 Bit/s
Geschmack1.000 Bit/s

(Quelle: Wikipedia: Nonverbale Kommunikation)

Es gibt Untersuchungen bzgl. der Wirkung von Körpersprache, die nachweisen, dass die Körpersprache zur Glaubhaftigkeit einer Außage den wesentlichen Beitrag liefert. In einer Untersuchung hat Albert Mehrabian 1971 ermittelt, dass zu nur 7 Prozent der Inhalt und 38 Prozent die Betonung dazu beitragen, eine Aussage zu glauben. Mehrabian: Silent Messages
Wikipedia: A. Mehrabian

Der Rest – und das ist mehr als die Hälfte – hängt der Untersuchung zufolge von der (meist unbewusst) wahrgenommenen Körpersprache ab! Natürlich sind diese Aussagen pauschal und nur bedingt übertragbar. Es ist auch unwesentlich, ob 5%, 7% oder 20% die richtige Zahl ist. Natürlich sind Sätze wie “Ich bin ein Berliner!”, “I have a dream!” oder auch “Wollt Ihr den totalen Krieg?” in unserem Gedächtnis geblieben und haben eine Durchschlagskraft auch durch sich selbst zum Guten oder Schlechten.

Wichtig ist: die Durchschlagskraft Ihrer Worte und Ihrer Person wird hoch sein, wenn die nonverbale Kommunikation Ihre Ziele maximal unterstützt. Ihr Anliegen zu transportieren wird nur dann gut gelingen, wenn Ihre nonverbale Kommunikation zu Ihren Aussagen passt. Wieviel Aufwand verwenden Sie für die Gestaltung der Botschaft und wieviel in die “Verpackung”? Wieviel Aufwand verwenden Sie für die Inhalte und wieviel für ihr Auftreten, wenn Sie diese Inhalte vertreten?

Powerpoint

Powerpoint ist aus dem Berufsleben für viele Menschen nicht mehr wegzudenken. Dennoch gibt es nur wenige, die ihre Mitmenschen damit nicht quälen, sondern unterhalten.

Hier ein sehr schönes Beispiel, wie man es nicht machen sollte.


TED Konferenz und Edge.org

Zwei wesentliche Websites sind mir kürzlich begegnet:

TED - Technology, Entertainment, Design
Edge.org

TED ist eine jährlich stattfindende Konferenz, bei der über die großen Fragen der Menschheit diskutiert wird. Sehr sehenswert ist vor allem:
Genial. Der Gapminder in Aktion.

Edge.org befasst sich mit ähnlichen Fragen: Was sind die Grenzen unseres Wissens? Was sind die Fragen von heute und die von morgen?

Gapminder Tool

Der Gapminder das aufschlussreichste Statistiktool, das ich kenne. Was ist in China wirklich los? Wie beeinflusst HIV die Lebenserwartung in Afrika? Wie entwickelt sich die Weltwirtschaft?
Verblüffende Antworten hervorragend präsentiert.
Link zum Gapminder Tool

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